Diesel oder Benziner – Was ist steuerlich günstiger?

Diesel und Benzin Zapfsäule an der Tankstelle

Beim Autokauf stellt sich für viele die Frage: Diesel oder Benziner? Neben Verbrauch und Anschaffungspreis spielt auch die Kfz-Steuer eine wichtige Rolle – und hier gibt es einen klaren, messbaren Unterschied.

Der Sockelbetrag – der entscheidende Unterschied

Das Kraftfahrzeugsteuergesetz unterscheidet klar zwischen Fremdzündungsmotoren (Benziner) und Selbstzündungsmotoren (Diesel). Der Sockelbetrag pro angefangene 100 cm³ Hubraum beträgt:

AntriebsartSockelbetrag je 100 cm³
Benziner2,00 €
Diesel9,50 €

Allein dieser Unterschied führt bei gleicher Motorengröße zu einer bis zu viermal höheren Grundsteuer beim Diesel. Bei einem 2.000-cm³-Motor sind das: Benziner 40 € vs. Diesel 190 € – nur durch den Sockelbetrag.

Die CO₂-Komponente: Wo der Diesel aufholt

Zusätzlich zum Sockelbetrag kommt bei beiden Antriebsarten die CO₂-abhängige Komponente. Sie gilt für jedes Gramm CO₂ über 95 g/km und wird gestaffelt berechnet. Da Diesel-Motoren thermodynamisch effizienter arbeiten, ist ihr CO₂-Ausstoß oft etwas niedriger als bei Benzinern ähnlicher Leistung. Dieser Vorteil gleicht den Diesel-Nachteil beim Sockelbetrag aber nur selten vollständig aus.

Beispielrechnung: Drei Szenarien im Vergleich

FahrzeugHubraumCO₂ (WLTP)SockelbetragCO₂-AnteilJahressteuer
Benziner – Kompaktklasse1.500 cm³130 g/km30,00 €49,00 €79,00 €
Diesel – Kompaktklasse1.500 cm³118 g/km142,50 €46,00 €188,50 €
Benziner – Mittelklasse2.000 cm³155 g/km40,00 €133,00 €173,00 €
Diesel – Mittelklasse2.000 cm³135 g/km190,00 €88,00 €278,00 €
Benziner – Oberklasse3.000 cm³195 g/km60,00 €291,00 €351,00 €
Diesel – Oberklasse3.000 cm³168 g/km285,00 €211,20 €496,20 €

In allen drei Szenarien liegt der Diesel klar über dem Benziner – der Sockelbetrag-Nachteil ist einfach zu groß, um durch den niedrigeren CO₂-Wert ausgeglichen zu werden.

Wann kann der Diesel doch günstiger sein?

In sehr seltenen Fällen kann ein Diesel steuerlich mithalten: wenn ein sehr kleiner Diesel-Hubraum mit einem sehr hohen CO₂-Wert beim Benziner kombiniert wird. Das ist in der Praxis aber die Ausnahme. Bei gleicher Fahrzeugklasse gewinnt der Benziner bei der Kfz-Steuer fast immer.

NEFZ vs. WLTP – warum der Messzyklus zählt

Seit September 2018 gilt für Neuzulassungen der WLTP-Messzyklus. WLTP-Werte sind in der Regel 20–30 % höher als die früheren NEFZ-Werte desselben Fahrzeugmodells. Wer zwei Autos aus verschiedenen Baujahren vergleicht, muss diesen Unterschied einkalkulieren – ein 2017er Benziner mit 120 g/km (NEFZ) ist nicht automatisch günstiger als ein 2022er Modell mit 135 g/km (WLTP).

Was zählt neben der Steuer noch?

  • Kraftstoffkosten: Diesel ist pro Liter zwar teurer als Benzin, aber effizienter – bei vielen Kilometern kann das die Steuernachteile ausgleichen.
  • Wartungskosten: Dieselmotoren sind oft wartungsintensiver (Partikelfilter, AdBlue).
  • Wiederverkaufswert: Ältere Diesel haben durch mögliche Fahrverbote teils geringere Restwerte.
  • Fahrleistung: Der Diesel rechnet sich betriebswirtschaftlich meist erst ab ca. 20.000–25.000 km/Jahr.

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Fazit

Bei der reinen Kfz-Steuer ist der Benziner fast immer günstiger – teils deutlich. Der höhere Diesel-Sockelbetrag von 9,50 € je 100 cm³ (vs. 2,00 € beim Benziner) ist der entscheidende Faktor. Wer also primär auf niedrige Kfz-Steuer achtet, ist mit einem Benziner oder – noch besser – einem Elektroauto oder Hybridfahrzeug besser bedient.